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Letzte Aktualisierung:
22-Mai-2008
Tandon Corporation
Quelle: Computerwoche


Oberflächlich betrachtet könnte man fragen: warum die Geschichte eines Clone-Herstellers niederschreiben ?
Meiner Meinung nach ist Tandon ein Laufwerkshersteller und nicht das, womit der Name Tandon Ende der 80iger bis Mitte der 90iger Jahre in Verbindung gebracht wurde: ein Hersteller von IBM PC-Kopien (wie z.B. Compaq oder DELL). Die Firma hat schon vor Erscheinen des IBM PC im Jahre 1981 wichtige Erfindungen im Bereich der Laufwerkstechnik gemacht und dementsprechende Patente angemeldet. Tandon hat großen Anteil an den Entwicklungen in der Disketten- und Festplattenlaufwerkstechnik Ende der 70iger Jahre. Deshalb befindet der Autor die Firma Tandon und im Besonderen die Person Jugi Tandon für die IT-Geschichte als absolut erwähneswert.

Dr. Sirjang (Jugi) Lal Tandon gründete die Tandon Corporation 1975 in Chatsworth/Kalifornien, um Schreib-/Leseköpfe für Diskettenlaufwerke zu produzieren. Das erste Produktionsgebäude war eine Garage. Bald war Tandon der führende Hersteller von kompletten Diskettenlaufwerken. Auch der IBM PC von 1981 enthielt Laufwerke von Tandon. In den frühen 80iger Jahren war Tandon einer der ersten Hersteller, der preislich attraktive Winchester-Platten für Mikrocomputer anbieten konnte.

Besondere Diskettenlaufwerkstechnik bot Tandon 1982 für den Sirius 1 Computer, der Laufwerksmotor konnte seine Drehzahl variieren, um dadurch den geringeren Umfang der inneren Spuren einer Diskette auszugleichen. 1984 betrug der Umsatz von Tandon rund 300 Millionen Dollar, wobei 85% mit Festplatten- und Wechsellaufwerken erzielt wurde. Tandon beschäftigte zu dieser Zeit rund 1000 Angestellte.

Von Tandons früheren Kunden Victor Technologies kam 1985 der geniale Entwickler Chuck Peddle (Vater des Commodore PET sowie des Sirius 1) zu Tandon. Daraufhin entschloß man sich zur Erweiterung der Produktpalette um eigene Mikrocomputer. Die ersten Modelle waren ein IBM kompatibler XT und ein AT Modell mit der Bezeichnung PCA. Doch wie viele andere Computerhersteller rutschte auch Tandon 1985 in die roten Zahlen. 1986 wurde wegen überhöhter Lagerbestände zeitweise sogar die Produktion ausgesetzt. Angestellte mußten zwangsbeurlaubt werden, Jurgi Tandon kürzte sein eigenes Jahresgehalt von 275.000 Dollar auf 1 Dollar.

Aus Kostengründen verlagerte Tandon große Teile der Produktion daraufhin nach Singapure, im Stammsitz in Kalifornien mußten daraufhin 400 Angestellte entlassen werden. Gerade die deutsche Tandon-Niederlassung war mit 20.000 verkauften PC's ausgesprochen erfolgreich, konnte jedoch die Verluste der Konzernmutter nicht ausgleichen.

1987 stellt Tandon seinen ersten PC mit dem neuen Intel 80386 Prozessor vor. 1988 erreichte die Firma einen 10%igen Marktanteile bei PC's ab 2500 DM. Die Fabrik für Laufwerksherstellung wurde an Western Digital verkauft, nicht jedoch die patentierten wechselbaren DataPac-Festplatten (übrigens auch eine Entwicklung Chuck Peddle). Trotzdem war Tandon nun sein eigener Kunde, den die Laufwerke für die eigenen PC's wurden jetzt bei Western Digital bezogen. 1989 brachte wieder wesentlich bessere Geschäftszahlen, zurückzuführen auf starke Umsätze in Europa. 1991 wollte Tandon auch in den Workstation-Bereich vordringen und nahm den Vertrieb von Produkten des Herstellers Solbourne auf. Die Solbourne Workstations basierten auf der SPARC-Technologie der Marktführerers Sun. Auch ein Laptop auf Basis eines Intel 80386SX wurde vorgestellt. Doch in diesem Jahr rutschte Tandon wieder tief in die roten Zahlen, ausgelöst durch Umsatzeinbrüche vor allem in den USA. Mit dem extremen Preiskampf im amerikanischen Low-Cost-Segment konnte Tandon nicht mehr mithalten und wollte sich daraufhin ganz auf den profitableren europäischen Markt konzentrieren.

Doch auch in Europa begannen sich andere Firmen durchzusetzen, wie Compaq und DELL. So mußte Tandon 1993 Konkurs anmelden. 1994 gründete Jurgi Tandon zusammen mit Tom Mitchell die Firma JTS, um wieder Disketten- und Fetsplattenaufwerke zu produzieren. Doch der Preisverfall auf diesem Sektor ist enorm wodurch auch JTS wieder nahe an den Rand des Konkurses kommt. Mit einer 3" Festplatte für Notebooks hat JTS jedoch ein zukunftsträchtiges Produkt in ihrer Palette, und so fand sich 1996 mit Tandons langjährigem Freund Jack Tramiel und dessen Firma Atari ein Geldgeber. Um es klarzustellen: Atari ging nach dieser Fusion in JTS auf, nicht umgekehrt. Jedenfalls war die Konkurrenz (Seagate, Conner, Western Digital und IBM) zu stark, JTS ist heute eine bedeutungslose Firma. Jugi Tandon ist 2002 CEO der Firma Celetron, einem international operierenden Elektronikhersteller mit Sitz in Indien.